Hohe Kunst

Vermittler sind angesehene Leute, bei deren Auswahl sehr viel Aufmerksamkeit auf ihr Können, ihre Erfahrung und Integrität verwendet wird. Denken Sie an Tarifauseinandersetzungen, Unternehmensfusionen, Schiedsgerichte oder gar militärische und politische Konflikte. Setzen Sie zum Wort Vermittler das Wort Immobilien hinzu, bekommt der Begriff landläufig ein anderes Gesicht und wird schnell mit „verkaufen“, und manchem „Unsinn“ gleichgesetzt.

Macht man sich die Mühe, das „Wesen der Sache“, die Immobilien-Vermittlung an sich und im engeren Sinne zu betrachten, fällt auf „da steckt doch mehr dahinter“. Schon das BGB unterscheidet sehr genau zwischen Nachweis von Vertragsgelegenheiten und Vermittlung. Und in der Tat zeigt sich auch im praktischen Alltag ein gewaltiger Unterschied. Vermittlung ist nicht „verkaufen“ oder gar Marketing oder nur einfach der Hinweis auf ein Angebot und das Zusammenführen von Interessenten und Anbieter. Das wird spätestens bewusst, wenn es in die Abschlussphase zwischen Interessent und Anbieter geht und unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Nicht wenige erfahrene Kunden schalten gerade im „Finale“ einen Vermittlungsmakler ein. Denken Sie nur an zerstrittene Erbengemeinschaften als Verkäufer oder Situationen, die sich in Scheidungsauseinandersetzungen ergeben können, und die gemeinsame Immobilie zum Thema wird. Wird erst der Anwalt eingeschaltet, kann es zu spät sein und marktrelevante, unternehmerische Aspekte bleiben auf der Strecke.

Vielleicht handeln noch heute Hanseatische Kaufleute nicht schlecht, wenn man zu hören bekommt: „wenden Sie sich bitte an meinen Hausmakler“, der wird in unser beider Interesse vermitteln.

Da kann dann hohe Kunst gefragt sein.

Jochen Blumenauer

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